Der Räuber Hotzenplotz

       

KRITIK - Vilsbiburger Zeitung - Georg Soller

Zauberhafte Zaubereien und ein böser Räuber

 

"Manchmal werde ich gefragt: Warum schreiben Sie eigentlich Kinderbücher, Herr Preußler? Dann antworte ich ganz einfach: Weil es mir Spaß macht."

Die wohl berühmteste Kasperlgeschichte Ottfried Preußlers, "Der Räuber Hotzenplotz" , wurde am vergangenen Wochenende auf der Maulberger Freilichtbühne lebendig. Eine kleine Abteilung des Theatervereins Trauterfing inszenierte zusammen mit Landshuter Laienschauspielern nach offiziellen Freilichtspiel (Der Holledauer Schimmel) zum erstenmal ein Kinderstück, welches derzeit aufgeführt wird.

Die meisten Kinder kennen inzwischen die Geschichte aus dem Jahr 1962: Der böse, bis an die Zähne bewaffnete Räuber Hotzenplotz raubt der Großmutter (Helga Leierseder) die klingende Kaffeemühle. Nachdem sich Wachtmeister Dimpflmoser (Hans Höflsauer) außerstande sieht, den Bösewicht zu fangen, ersinnen Kasperl und Seppel eine List. Dummerweise geraten sie dabei in die Fänge von Hotzenplotz, der den Seppel zum Arbeiten behält und den Kasperl an den bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann verkauft. Mit Hilfe der guten Fee Amaryllis (Renate Meier), die vom Zauberer in eine Unke (Birgit Kinner) verwandelt wird, nimmt die Geschichte aber eingutes Ende.

Die unter der Regie von Gerhard Limmer entstandene Inszenierung ist ein gelungener Spaß für kleine und große Kinder. Der Zuschau- er spürt, dass alle Beteiligten mit ganzem Herzen bei der Sache sind und ihre überwiegend sehr jungen Zuschauer ernst nehmen. Limmer verlieh dem Hotzenplotz eine imposante Statur, während Wolfgang Meerkamp als Zauberer derart mit schrägem Lachen und wildem Quietschen über den Platz fegte, dass er mehr komisch als böse war - was dem Spiel sogar zugute kam. Beide fanden in Barbara Lubig als Kasperl eine gewitzte und überzeugend agierende Gegenspielerin, die mit Sabine Meyer als treuen Seppel einen braven Kompagnion hatte. Wie der Autor Preußler hatte die ganze Truppe offensichtlich viel Spaß mit der Geschichte.

Gelungene Kostüme, ordentliche Requisiten und der bezaubernde Flair der Freilichtbühne schaffen zusammen ein stimmiges Bild. Das Stück selbst wurde so flott in Szene gesetzt, dass die meisten Zuschauer trotz wiederholt einsetszenden Regens bis zum Ende ausharrten. Vergnüglich waren auch die Reaktionen der Kinder, an die sich die Darsteller mehrfach wandten. Kleinere Kinder hatten allerdings leichte Probleme, als die Darsteller in Kostümen zum Umbauen auf der Szene erschienen. Um Musik und Technik; kümmerte sich Bernhard Niedermeier.

Wie der Publikumszuspruch beweist, schloss die Vilsbiburger/Landshuter Laienspielgruppe in Maulberg eine Lücke in der Theaterszene des Landkreises. Denn neben einem Kinderstück des Südostbayerischen Städtetheaters pro Saison gibt es außer Puppenbühnen wenig Theater für Kinder. Der Erfolg dieser liebenswürdig-witzigen Umsetzung gibt zur Hoffnung Anlass, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Laienspiel-Kindertheater gibt.

 

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